Osteoporose und Wirbelkörperfrakturen: Therapie

Therapie bei Wirbelkörperfrakturen

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Die operativen Techniken der Systemplastie, Vertebroplastie und der Kyphoplastie dienen einerseits der Aufrichtung und andererseits der Stabilisierung eingebrochener Wirbelkörper. Bei der Systemplastie und Vertebroplastie werden die Wirbelkörper durch Einbringen von Knochenzement stabilisiert. Bei der Kyphoplastie werden die Wirbelkörper durch einen in den Wirbelkörper eingebrachten Ballon aufgerichtet und anschließend in den dann entstandene Höhle durch Einbringen von Knochenzement stabilisiert. Dieses moderne Operationsverfahren zur Stabilisierung eingebrochener Wirbelkörper im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule wird minimal invasiv unter Röntgenkontrolle ausgeführt. Die Vertebroplastie ist 1987 entwickelt worden, die Kyphoplastie 1998. Die Methoden sind dann besonders wirksam, wenn sie bei frischen osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen oder bei Wirbelkörpereinbrüchen eingesetzt werden.

Systemplastie

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Interview mit Prof. Dr. med. Ertel, Charité Berlin

Was ist die Systemplastie?

Die Systemplastie ist ein neues Behandlungskonzept, das Stabilisierungssysteme unterschiedlicher Technologien in idealer Weise miteinander verbindet und somit hoch variabel jede Wirbelsäulenpathologie des osteoporotischen Knochens effizient behandelbar macht. Zur Systemplastie gehören der neue hochvisköse PMMA-Zement mit seinen phantastischen Fließeigenschaften, ein hydraulisches Applikationssystem zur Injektion des Zementes in den Wirbelkörper und der minimal-invasiv implantierbare Fixateur interne zur Reduktion des Weichteiltraumas. Alle drei Technologien können entsprechend der vorliegenden Pathologie variabel miteinander verbunden werden.

Bei welchen Indikationen wird die Systemplastie eingesetzt?

Die flexiblen und kombinierbaren Anwendungen der Systemplastie können vor allem bei osteoporotischen spontanen Sinterungsfrakturen (auch multi-level), der traumatisch bedingten Wirbelkörperfraktur bei osteoporotischem Knochen und bei langstreckigen Fusionen bei Patienten mit Osteoporose angewendet werden. Durch die minimal-invasiven Techniken hat die Systemplastie vor allem bei Patienten mit hohem operativem Risiko große Vorteile.

Die Systemplastie ist ein Behandlungsverfahren, bei dem der Operateur entscheiden kann, welche der verfügbaren Methoden angewendet wird oder welche Techniken er miteinander kombiniert. Bei welchen Standard-Operationen setzen sie die Systemplastie ein?

Diese Frage ist nicht in ein oder zwei Sätzen zu beantworten. Sehen Sie sich das Indikationsspektrum an. Jeder Patient, der eine der genannten Indikationen erfüllt, ist auf Grund der Lokalisation der Pathologie (LWS versus BWS, obere versus untere LWS, etc.), seiner Nebenerkrankungen, seines Aktivitätslevels, seiner Knochenqualität, etc. unterschiedlich. Dies heißt, dass für jeden einzelnen Patienten, abhängig von den genannten Faktoren, ein individuelles Versorgungskonzept ausgearbeitet werden muss. Gerade hier sehe ich den größten Vorteil der Systemplastie, weil sie nicht nur präoperativ viele Versorgungskonzepte und Versorgungskombinationen  bereitstellt, sondern ggf. intraoperativ, wenn notwendig, zusätzliche Optionen eröffnet.

Welche Vorteile im Einsatz der Systemplastie erachten Sie als sehr wichtig?

Den größten Vorteil der Systemplastie sehe ich in der Kombinierbarkeit der unterschiedlichen Technologien und in der Tatsache, dass diese minimal-invasiv einsetzbar sind.

Die Systemplastie beinhaltet revolutionäre Technologien wie einen hochviskösen Knochenzement und ein hydraulisches Applikationssystem kombiniert mit einem minimal-invasiven Fixateur interne. Wie beurteilen Sie in der klinischen Anwendung die Systemplastie?

Die Systemplastie gestattet uns eine flexible und höchst individuell angelegte Versorgungsstrategie, wie sie bisher noch nicht durchführbar war. Außerdem erlaubt sie durch ihre unterschiedlichen Komponenten bei Auftreten von unerwarteten intraoperativen Problemen das schnelle „Umschalten“ auf ein neues Konzept. Hierdurch wird das Problem effizient und sicher gelöst.

Welche signifikanten Vorteile zu den Standard-Operationsmethoden sind festzustellen?

Die Systemplastie hat bei osteoporotischen Sinterungsfrakturen der Wirbelsäule die bisher angewendeten Standardverfahren sowohl durch die Möglichkeit eines individuell ausgewählten Versorgungskonzeptes (Vertebroplastie versus Kyphoplastie, Anwendung eines Kontainernetzes – Meshbeutel versus additiver MIS-Fixateur interne) als auch durch die Verwendung des hoch viskösen Knochenzementes eindeutig verfeinert und optimiert. Gleichzeitig werden intraoperative Komplikationen wie der Austritt von Zement oder pulmonale Probleme reduziert. Außerdem kann durch die Kombination von dem neuen PMMA-Zement, hydraulischem Applikationssystem und dem Meshbeutel die Verzahnung des Zements mit den Trabekeln deutlich erhöht werden. Dies unterstützt intraoperativ die geschlossene präoperative Reposition, wodurch die Aufrichtung des Wirbelkörpers und damit die Verbesserung des sagittalen Profils erreicht werden kann und erhöht zudem die Kompaktheit des Zementes.

Welche Vorteile hat die Systemplastie gegenüber der Standard-Kyphoplastie?

Der hochvisköse PMMA-Knochenzement kann zusätzlich mit einem Kontainernetz (ein sogenannter „Meshbeutel“) kombiniert werden. Dieser wird vor der Zementapplikation im Wirbelkörper positioniert und nach Einbringen des Zementes vor dessen Aushärtung zuverlässig entfernt. Der Meshbeutel ist ein zusätzliches Tool der Systemplastie. Er ermöglicht eine kontrollierte Injektion des hochviskösen Zementes in einen Beutel, der infolgedessen aufgedehnt wird. Hierdurch kann bei optimaler Platzierung des Beutels im Zentrum des Wirbelkörpers mit einem höheren Druck eine größere Menge Knochenzement injiziert werden.

Wie viele Wirbelkörper können mit einer Zementportion augmentiert werden?

Die Anzahl von Wirbelkörpern, die gleichzeitig mit einer Zementportion behandelt werden können, hat sich durch die lange Verarbeitungsviskosität und die Möglichkeit einer monopedikulären Anwendung deutlich gesteigert. Drei bis vier Wirbelkörper können bei monopedikulärer Anwendung und Setzen aller Yamshidi-Kanülen vor der Zementierung mit einer Zementportion erfolgreich augmentiert werden.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Systemplastie bisher gemacht?

Durch die Verwendung der neuen Technologien und ihrer Kombinierbarkeit haben wir bei Problemfrakturen eine niedrigere Anzahl von Komplikationen und eine höhere Patientenzufriedenheit gesehen. Dies betrifft einerseits eine niedrigere Inzidenz von Zementaustritten bei gleichzeitig höherem Injektionsvolumen. Weiterhin konnte die sekundäre Dislokation von Hinterkantenfragmenten in Richtung Spinalkanal bei fehlinterpretierten instabilen Wirbelkörperfrakturen durch die gleichzeitige Verwendung des minimal-invasiven Fixateur interne verhindert werden. Die verbesserte Aufrichtung frakturierter Wirbelkörper mit Wiederherstellung des sagittalen Profils durch eine kompaktere Applikation des Zementes führte zu guten klinischen Ergebnissen mit hoher Patientenzufriedenheit.