Juvenile Skoliose: Therapie

Konservative Therapie

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Das Ziel der orthopädischen konservativen und operativen Therapie bleibt die Korrektur der Wirbelsäulenverkrümmung ohne wesentliche Verringerung des Größenwachstums.

Skoliose

Konservative Behandlungsmethoden umfassen die krankengymnastische Therapie, z.B. nach Schroth und die Wachstumslenkung der verkrümmten Wirbelsäule im Korsett (Abb. 1). Dabei ist das Ziel einer vollständigen Korrektur der Skoliose nicht realistisch, vielmehr kann bei korrekter Ausführung der Behandlung im günstigen Fall eine weitere Zunahme der Verkrümmung verhindert werden.

Die Korsettbehandlung ist deshalb nur im Wachstumsalter, bei nicht zu ausgeprägten Krümmungen bis 35°, bei nachgewiesener Korrektur der Skoliose im Korsett und bei Akzeptanz der Betroffenen sinnvoll. Dann hat die Korsett – Therapie unstrittig den Vorteil, das Risiko einer operativen Behandlung zu vermeiden. Nachteilig sind für die Patienten die Einschränkungen im täglichen Leben, die sich mit dem langandauerenden Tragen des Korsettes (bis Wachstumsabschluß täglich 23 h) verbinden.

Operative Therapie

Die operative Therapie der Skoliose hat sich in den letzten Jahren durch die Verwendung von Implantaten (Schrauben, Haken u.w.) bei der Korrektur und Stabilisierung der skoliotischen Wirbelsäule deutlich verbessert. Hier werden die früher notwendigen aufwendigen Streckbehandlungen oder korrigierenden Rumpfgipse vor der Operation kaum noch erforderlich, der Aufenthalt im Krankenhaus in der Regel auf 2 – 3 Wochen begrenzt bleiben. Unverändert wird die orthopädisch – chirurgische Korrektur jedoch mit der Versteifung der betroffenen Wirbelsäulenabschnitte (Spondylodese) stabilisiert.
Die Entscheidung zur Operation von idiopathischen Skoliosen wird bestimmt vom Ausmaß der Verkrümmung, deren Progression und dem Alter. Bei Verkrümmungen der Wirbelsäule von über 40° empfehlen wir die operative Behandlung, da dann mit einem weiteren, altersunabhängigen Fortschreiten der Erkrankung gerechnet werden muß, und ab 80° Skoliose Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem hinzu kommen können.

Verschiedene Prinzipien kommen bei der operativen Aufrichtung von Skoliosen zur Anwendung (Distraktion, Kompression, segmentale Korrektur, Stabrotation), die jedoch alle dem gleichen Ziel dienen, eine möglichst dreidimensionale Korrektur der Skoliose zu erzielen. Dies gilt auch für die beiden möglichen operativen Zugangstechniken zur Wirbelsäule (rückenseitig oder von vorn-seitlich durch Eröffnung der Brust- und Bauchhöhle) (Abb. s. unten).

Spinalkanalstenose - Operation

Abbildung: Operativer Eingriff bei einer Skoliose.

Zwar kommt es durch die Operation zu einem Sistieren des Wachstums der Wirbelsäule im operierten Abschnitt, welches abhängig von der Anzahl der fusionierten Wirbel und den verbliebenen Jahren bis zum Abschluß des Größenwachstums ist. Dieser Effekt wird von den Eltern der betroffenen Patienten unserer Erfahrung nach häufig überschätzt, kann anhand einer empirischen Formel jedoch angenähert bestimmt werden: 0,07 cm  fusionierte Segmente  Jahre verbliebenes Wachstum. So errechnet sich bei einer Operation zwischen dem 5. Brust- bis 1. Lendenwirbel bei einem 13jährigen Mädchen ein Verlust von 1,1 cm finaler Körpergröße (0,07 cm  8 Segmente  2 Jahre; bei einem Wachstumsabschluß von 15 Jahren bei Mädchen). Andererseits werden die Patienten durch die Korrektur der Krümmung während der Operation im Durchschnitt um 3 cm größer, so daß der Wachstumsverlust durch die Operation meist kompensiert werden kann.

Von größter Bedeutung ist die Sicherheit der operativen Ausführung. Lähmungen treten schon heute bei Skolioseoperationen sehr selten auf (0,1% aller Operationen). Hier weitere Verbesserungen zu erreichen, ist das Ziel jedes wirbelsäulenchirurgisch tätigen Arztes. So ist die Erfahrung mit diesen sehr speziellen Behandlungsmethoden unverzichtbare und grundsätzliche Voraussetzung. Kontinuierlich werden das Operationsinstrumentarium (flache, extrem belastbare Implantate aus Titan) verbessert, sowie klinische, elektrophysiologische und röntgenologische Kontrollen während der Operation standardisiert.
Der Aufbau und die Entwicklung von Operationsräumen, in denen die Operation und eine sofortige dreidimensionale Bildgebung und Kontrolle erfolgen können, werden dabei die Konzeption der Zukunft sein.

Artikel von:

Priv.Doz. Dr. med. Michael Muschik
Leiter der Sektion Kinderorthopädie und Skoliosechirurgie
Charite Campus Benjamin Franklin
Hindenburgdamm 30
12200 Berlin